Wie die Horner zu ihrer Kirche kamen...

Zeit der Reformation kämpften die Horner, zusammen mit den Evangelischen aus Arbon, Roggwil und Egnach darum, das Recht auf einen evangelischen Gottesdienst zu erhalten. Sie waren glücklich, als ihnen erlaubt wurde, einen Pfarrer anzustellen und die Kirche in Arbon gemeinsam mit den Katholiken zu benutzen.
Zuerst war es Egnach und dann Roggwil, die sich selbständig machten.

Für die Horner war das Schiffsunglück am 11. Mai 1732  Anlass, einen Baufonds für eine eigene Kirche anzulegen. In einer Sturmböe waren auf der Rückfahrt vom Gottesdienst in Arbon 27 Horner und Hornerinnen ertrunken. Bis ins Jahr 1820 war der Fonds auf 1749 Gulden angewachsen. Dann gaben die Horner ihre Pläne offenbar auf und teilten das Geld unter Schul- und Armenfonds auf.

Einer der Gründe für eine eigene Kirche war, dass man bei Beerdigungen die Särge bis Arbon führen musste und dazu von den Steinachern eine Bewilligung zum Passieren ihrer Gemeinde erfragen musste. Das war deswegen schon unangenehm, weil zwischen den Hornern und Steinachern eine alte Feindschaft herrschte (was jeweilen auch zu Schlägereien führte, wenn die Horner Kinder durch Steinach in die Kinderlehre ziehen mussten).

Am 17. August 1877 gewährte der Regierungsrat der Gemeinde Horn das Recht, selber für die Beerdigung ihrer Einwohner zu sorgen, falls sie einen Friedhof anlegten und eine Kapelle bauten.
Die nur etwa 100 Glieder starke katholische Gemeinde (weniger als ein Viertel der Bevölkerung) nutzte die Gelegenheit und hielt in dieser Kapelle Werktagsgottesdienste.

 

Die evangelische Korporation Horn, 1887 bis 1919

Erst zehn Jahre später, am 31. August 1887, versammelten sich 30 evangelische Bürger in der «Sonne» (dem heutigen Haus Läuchli, neben der Kirche). Man wollte im Winterhalbjahr monatlich einen Gottesdienst in der Friedhofskapelle feiern und bestimmte eine Kommission, die nach drei Sitzungen der «Versammlung der Evangelischen Einwohner» folgende Vorschläge unterbreitete:

1. Pfarrer Usteri von Arbon hält monatlich eine Predigt von 8.30 bis 9.30 Uhr von Michaelis (29. September) bis Georgi (23. April). Dafür erhält er Fr. 50.—
2. Der Mesmer erhält jedes mal Fr. 1.50
3. Der Pfarrer kommt mit dem Zug und wird mit dem Fuhrwerk von Herrn Vinassa unentgeltlich zurückgebracht (Der Knecht erhält ein Trinkgeld von Fr. 5.-für den Winter)
4. Lehrer Zingg erhält Fr. 12.- für das Üben der Lieder
5. Die Bänke kommen von Privathaushalten oder der Arbeitsschule
6. Der Kassier H. Kern und M. Vinassa sammeln im Dorf mit einer «geschlossenen Büchse» freiwillige Beiträge. (Sie erhalten Fr. 118.30)

 

Ein Antrag an der «Versammlung» vom 27. März, auch im Sommer Gottesdienste zu halten, wird abgelehnt. Man nimmt auch Rücksicht auf den Gesundheitszustand von Pfr. Birnstiel und lässt das Begehren, im Winter monatlich zwei Gottesdienste zu halten, fallen.

1889 wird von den Hinterlassenen von Frau Anna Ursula Keller ein Harmonium geschenkt. Die Mehrheit der Kommission findet, es seien jetzt keine Gesangsproben mehr nötig. Anfangs spielt ein Seminarist aus Rorschach, später Frau Jenny Sulzberger (die dafür zwei Blumenstöcke erhält). Neu wird der Pfarrer jetzt mit der Chaise von Herrn Signer heimgeführt.

Ein für unsere Ohren ungewohntes Problem stellt sich an der Versammlung vom 26.9.1890: Weil die Kirche immer überfüllt ist, soll die Kommission dafür sorgen, dass die Kinder, die noch nicht Konfirmanden sind, den Gottesdienst nicht besuchen, um den Erwachsenen keine Plätze wegzunehmen.

Immer wieder wird die Finanzierung diskutiert. Der (katholische) Gemeindeammann Lichtensteiger verspricht jährlich Fr. 100.- wenn sie beim Sammeln die Armen verschonten. Als die «Evangelische Versammlung» 1895 beschliesst, eine Kirchensteuer von 20 Rappen auf Tausend Franken Besitz zu erheben, reichen drei Kirchenbürger Rekurs beim Kirchenrat ein - und erhalten Recht. Es fehlen die Grundlagen für diesen Beschluss.

So wird ein «Reglement der Evangelischen Genossenschaft Horn» vorbereitet, das vom Kirchenrat mit leichten Änderungen am 31.8.1896 genehmigt wird. Damit kann Horn Steuern erheben, einen Bau- und einen Pfrundfonds (für die Bezahlung des Pfarrers) halten. Unterdessen waren auch die ersten Vergabungen von Joh. Wirth, Frau Fischer-Züllig, Herr M. Vinassa gemacht worden.

Die grosszügigste Vergabung kam aber vom Testament von Frau Maria Elisabeth Lichtensteiger-Müller: Fr. 25000.-für den Baufonds, 2500.- für den Orgelfonds und Fr. 5000.- für den Pfrundfonds. Damit erhielt nicht nur die kath. Kirchgemeinde von diesem grosszügigen Ehepaar mehr als die Hälfte der Kosten für ihre Kirche, sondern auch die «Evangelische Korporation» einen erfreulichen Grundstock für eine eigene Kirche.

Eine sonderbare «Gefahr» zeigte sich für die Kirchgemeinde im Jahre 1909. Die Evangelische Gesellschaft in St.Gallen wollte in Horn eine «sogenannte Sonntagschule» eröffnen. Man beriet, «wie man am besten diesem Treiben der religiösen Stündler entgegen zu wirken» vermöge und sie ihn Horn «bekämpfen» könne.

Ab 1914 gab es in Arbon einen zweiten Pfarrer, damit konnte auch der alte Wunsch der Horner nach monatlich zwei Gottesdiensten erfüllt werden. Während den Jahren 1914 und 1915 wurden wegen dem «europäischen Krieg» keine Kirchensteuern erhoben. 1916 wurde die Steuer wieder eingeführt und 1918 von 0,2 auf 0,6% erhöht. Ein wichtiger Grund dafür war, dass aus Arbon die Kunde kam, dass Herr Ad. Saurer beiden Kirchgemeinden je Fr. 50000.- versprochen hatte (später auf 75'000 erhöht) und er der Evang. Kirchgemeinde einen günstigen Bauplatz schenke, wenn sie innerhalb eines Jahres das paritätische Verhältnis auflösten und eine neue Kirche bauten.

Jetzt setzte auch in Horn eine fieberhafte Tätigkeit ein: Man wollte vermeiden, dass man noch an den Bau einer neuen Kirche in Arbon zu zahlen habe.

Im Mai 1919 legte die Pflegekommission Horn den Mitgliedern der Korporation einen (mit Hilfe eines Juristen) sorgfältig ausgearbeiteten Vorschlag zur Ablösung von Arbon vor. Es wurde dargelegt, dass man mit dem Baufonds ein Pfarrhaus kaufen könnte und dass die Steuern, die man nach Arbon ablieferte, längst reichen, um einen Pfarrer zu besolden (Jahresgehalt Fr. 6500.-) Neben der langen Liste der Vorteile wurde auch das wichtige Argument nicht vergessen: «Was die katholische Gemeinde hat, soll der Evangelischen Gemeinde auf die Dauer nicht versagt bleiben.»

In der Woche vor der entscheidenden Versammlung in Arbon tagte die Pflegekommission in Horn jeden Abend und eine Versammlung beschloss am Freitagabend, dass die Horner sich an den Beschlüssen der Arboner Gemeindeversammlung vom Sonntag für eine neue Kirche nicht beteiligen wollten, da sie im Sinne haben, sich von der Muttergemeinde zu lösen.

 

Eine unabhängige Gemeinde!

Die Beschlüsse wurden dem Evangelischen Kirchenrat vorgelegt, der zu Verhandlungen einlud. Die Arboner gestanden den Hornern das Recht zu, sich zu trennen, weigerten sich aber, den Hornern etwas vom Pfrundvermögen auszuzahlen, sie verlangten noch eine Abfindung. Die Horner weigerten sich, eine Ablösung zu zahlen und wünschten eine finanzielle Abfindung. Die Verhandlungspartner seien sehr hartnäckig gewesen, stellte der Kirchenrat fest. Einen Kompromiss, dass Horn weder etwas erhalte noch etwas bezahlen müsse, lehnte Horn ab und wünschte vom Kirchenrat einen Rechtsspruch. Ihre ursprüngliche Forderung von Fr. 10'000.- hatten sie unterdessen auf Fr. 20'000.- erhöht.

Am 9. Juli 1920 hat der KR in einer 17-seitigen Antwort alle Argumente gesammelt und abgewogen und kam zum Entscheid, dass Horn das Recht habe, unabhängig zu werden und Arbon auf den Tag der Grundsteinlegung einer Homer Kirche Fr. 20000.- zu bezahlen habe.

Die Arboner legten Rekurs beim Regierungsrat ein, (unter anderem, weil der von den Hornern beigezogenen Jurist Mitglied des Kirchenrates war). Am 13. Oktober 1920 hat der Regierungsrat den Rekurs abgewiesen.
Der Kirchenrat hatte beschlossen, dass die «Evangelische Korporation Horn,, nun die «nötigen Schritten zur Verselbständigung tun sollte, nämlich

spacer1. Beschaffung eines Pfarrhauses mit Unterrichtszimmer
spacer2. Anstellung eines eigenen Pfarrers

Die Horner hatten ihre Vorkehrungen getroffen. Als sie ein Jahr früher sich nach einem möglichen Pfarrhaus umsahen, erhielten sie eine ganze Reihe von guten Angeboten. Etwas zu spät traf eine Offerte fürs Schloss (für Fr. 105'000.- Spezialpreis) ein. Am geeignetsten erschien die Angehrn'sche Liegenschaft, Haus und Scheune in gutem Zustand mit 13076 m' Land auf dem Areal des heutigen Kirchgemeindehaus. Der Preis von Fr. 90'000.-wurde um Fr. 10'000.- ermässigt, dafür kamen noch Reparaturen, vor allem der Einbau eines Unterrichtszimmers für gut Fr. 20000.- dazu.

Nun galt es, einen Pfarrer zu finden. Erstaunlich schnell wurde die Pflegekommission fündig: am 2. September lud sie Pfr. Albert Martin aus Linthal zu einem Gespräch ein, am 3. beschloss sie, ihn nach Horn zu berufen, am B. September warseine Zusage da und am 10. fand die Wahl «auf Anfang Oktober* statt (trotz einer Kündigungsfrist von drei Monaten)) Am 17. Oktober (einen Tag nach dem Eintreffen der kirchenrätlichen Bewilligung) fand die feierliche Installation des ersten Pfarrers in Horn statt. Damit war Horn wirklich selbständig und mit dem gleichen Datum begannen die eigenen Kirchenbücher. Gleich am nächsten Tag erfolgte der erste Eintrag, eine Beerdigung, eine Woche später dann zwei Taufen und einen Monat später die erste Trauung in Horn.

 

Die Kapelle ist zu klein

Immer wieder begegnen wir dieser Klage: Die Kapelle reicht nicht aus. Die Installation des neuen Pfarrer musste in der Turnhalle durchgeführt werden. An gewöhnlichen Sonntagen reichten die 150-160 Plätze, nicht aber an Festtagen. Zudem liess sich die Kapelle schlecht heizen. Auch wenn an kalten Wintertagen die ganze Nacht durchgeheizt wurde, betrug die Temperatur nur 2-3 Grad.

Schon 1919 verhandelte die Pflegekommission mit dem Gemeinderat über einen Kauf der Kapelle. Da die Katholiken die Kapelle nicht mehr brauchten, wären sie einverstanden gewesen, auf alle ihre Rechte zu verzichten, wenn die Evangelischen zugestimmt hätten, bei der nächsten Vakanz einen katholischen Lehrer anzustellen. Andernfalls wünschten sie Fr. 2000.- Auslösung. Die Evangelischen waren zu keinem bereit und verhandelten weiter mit dem Gemeinderat, bis sie einen Vertrag hatten, der ihnen für Fr. 4000.- die Kapelle und für Fr. 1000.- den Boden abtrat - mit der Möglichkeit, innerhalb von 10 Jahren den Kauf wieder rückgängig zu machen. Die Absicht der Evangelischen Kirchenvorsteherschaft war es, die Kapelle zu erweitern oder allenfalls abzubrechen und weiter nördlich eine neue Kirche zu bauen. So schloss der Kaufvertrag vom 10. Februar 1921 auch einen Landabtausch ein.

Pläne wurden gemacht, die Kapelle auf 250 Plätze zu vergrössern, was aber etwa Fr. 150'000.- gekostet hätte. Damit wäre das Problem noch nicht gelöst gewesen, wie diese Kapelle geheizt werden kann. So wuchs langsam die Einsicht:

 

Wir brauchen eine neue Kirche.

Verhandlungen mit dem Kirchenrat ergeben:

a) die Bewilligung, die Bausteuer von 0,5 auf 0,75% zu erhöhen,

b) das Versprechen von Fr. 8000.- an einen geplanten Bau einer neuen Kirche.

Sehr präzis schätzt Pfarrer Martin 1924, dass es noch 4-5 Jahre gehe, bis mit dem Bau angefangen werden könne. Eine erweiterte Kirchenbaukommission nimmt am 26.6.1927 ihre Arbeit auf: Präsident ist Major A. Raduner, Vizepräsident Pfarrer A. Martin und Aktuar Jakob Raschle. Um die Gefahr zu verkleinern, nachträglich offener Opposition zu begegnen, werden zusätzlich noch zwei Arbeiter in die Kommission aufgenommen.

 

Wo soll die Kirche stehen?

Das ist eine sehr wichtige Frage, weil die Kirche ja zeigen soll, dass Horn ein reformiertes Dorf ist - man muss die Kirche also sehen, sie soll zentral gelegen stehen.

In Kürze kann die Kommission 11 Bauplätze überprüfen! Fachleute werden zur Begutachtung herbeigeholt und dann legt die Kommission eine Rangliste der guten Plätze vor. Am schlechtesten schneidet der Platz beim Pfarrhaus ab: «Lage ist exzentrisch, Nähe des Holzlager ist wenig stimmungsvoll, Nähe des Friedhofs beeinträchtigt.» Zur «exzentrischen Lage» für uns erstaunliche Zahlen: 470 Protestanten wohnen nördlich der Bahnlinie und 135 südlich.

Schöne Plätze im Herzen des Dorfes fallen weg, weil sie zu nahe bei der katholischen Kirche sind, zudem könnten die Geläute einander stören. Die Wiese vor der heutigen Seeaufschüttung wurde für gut befunden, weil «wirkungsvoll ins Dorf gestellt», aber der Strassenlärm gleich von zwei Strassen (der See- und der Bahnhofstrasse) wird als zu störend angesehen. Also bleibt die Wiese am See, wo die Kirche jetzt steht und die von Herrn A. Signer, den Herren Raduner sen. und jun. und der Firma Raduner geschenkt wurde, eindeutig Siegerin. So eindeutig ist dann das Ergebnis in der Abstimmung bei der Gemeindeversammlung nicht. Das Pfarrhausareal hat sich vom letzten auf den zweiten Platz aufgeschwungen und unterliegt im zweiten Wahlgang mit 52 zu 73 Stimmen.

  

Welche Kirche?

Das Protokoll der ersten Sitzung der Baukommission hielt fest, dass eine Kirche «im Stile des Heimatschutzes» gebaut werden solle. Man lud fünf Architekten ein, die Projekte vorlegen sollten für eine Kirche mit 350 —360 Plätzen, einen Chor für 60 Sänger, einer grossen Empore (die nur an besonderen Festtagen geöffnet wird) und einem Unterrichtsraum für 30 Konfirmanden.

Eine Jury sollte die Entwürfe dann bewerten. Siegerin wurde in diesem Wettbewerb unsere jetzige Kirche («Feinfühlig eingefügt, Kirche und Turm sehr fein gegeneinander abgewogen, das Turmplateau liesse sich als Aussichtsterrasse ausbilden»). Den zweiten Preis erhielt Architekt Fehr aus St.Gallen. Gelobt wird hier besonders «die reizvolle Anlage eines kleinen Hafens» und «die gute und sympathische Tonart».

Die Baukommission lud die beiden Architekten je zu einem Abend nach Horn ein, damit sie hier ihre Projekte erläutern konnten.

Vor allem Herr A. Raduner und Herr Pfr. A. Martin setzten sich für das Projekt von Architekt Schäfer aus Zürich ein. Mit 9 Stimmen gegen eine Enthaltung empfahl die Kommission der Kirchgemeindeversammlung vom 20. Dezember 1928 dieses Projekt - obschon in der Diskussion vermerkt wurde, dass es im Dorf wohl viele Leute gebe, die dem traditionelleren Vorschlag von Architekt Fehr den Vorzug gäben.

An der Abstimmung half dann sicher die Kostenberechnung mit, dass die Kirche von Architekt Schäfer ohne Erhöhung der Bausteuer gebaut werden könne, während für das andere Modell eine Erhöhung von 0,15% notwendig werde. So bewilligte die Versammlung - mit einigen Enthaltungen - das Projekt unserer jetzigen Kirche und einen Kredit von Fr. 275000.-.

 

Die Grundsteinlegung

Die Grundsteinlegung wurde auf Sonntag, 14. Juli 1929 festgelegt und als feierlicher Akt gestaltet. Dekan Wellauer (aus Amriswil) hielt die Predigt. Mit symbolischen Hammerschlägen wurden Urkunden in den Grundstein gelegt und anschliessend erhielten die Kinder eine grosse Portion Kirschen, die z.T. vom Areal der neuen Kirche stammten. Überschattet war das frohe Fest vom Tod von Pfr. Albert Martin, der sich so sehr für die neue Kirche eingesetzt hatte.

 

Weniger als ein Jahr dauerte dann der Bau mitsamt den umfangreichen Abklärungen über das richtige Geläute, so dass es mit dem katholischen Geläute abgestimmt war, die Gespräche mit dem Orgelexperten Biedermann in Amriswil und die Wahl des Bildschmuckes.

Als Zeichen seiner Dankbarkeit für die Aufnahme während dem Weltkrieg bot Herr Alfred H. Klinkmann an, etwas zu stiften. Von den Möglichkeiten: Glocke, Turmuhr oder Glasfenster wählte er das letzte. Er überliess es dem Architekten, etwas auszuwählen. Herr Schäfer beauftragte den Lehrer an der Kunstgewerbeschule, Otto Morach, der Kirche «die farbige Note und den sakralen Akzent zu geben». Ein nachträglich vom Homer Maler Theo Glinz eingereichter Entwurf gefiel dem Spender zwar besser, er nahm das Urteil des Architekten aber an, besonders weil ihm zugesichert wurde, das Jesuskind werde «etwas gefälliger ausfallen».

Ein erstaunter Brief traf am 25. Mai 1930 vom Regierungsrat ein. Er erkundigte sich nach der sonderbaren Art von «Eigentumserwerb» der Kirchgemeinde «bei dem man den benötigten Boden einfach wegnimmt, ohne den bisherigen Besitzer zu fragen». Die Bauleute hatten die Mauer entlang der Strasse gerade gezogen und dabei dem Staat 11 m' weggenommen.

Ohne Unfälle, mit wenig Unstimmigkeit, lediglich mit einer Kostenüberschreitung von ca. Fr. 100'000.— war die Kirche am Auffahrtstag 1930, am 29. Mai, für die Einweihungsfeier bereit, einem Tag der Freude und des Stolzes.

P. Ruthishauser
Pfarrer
zum Anfang